An die Führung der Zeitungen
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
stellen Sie sich das Undenkbare vor: Bewaffnete Männer stürmen in Ihr Büro oder Ihr Haus, legen Ihnen Handschellen an und nehmen Sie fest. Sie werden verhört und in eine düstere Gefängniszelle geworfen. Dort warten Sie Stunden oder sogar Wochen bis Beschuldigungen gegen Sie vorgebracht werden.
Sie sind ein Ärgernis. ´Sie sind eine Bedrohung. Jemand möchte, dass sie verschwinden.
Über 500 Herausgeber und Journalisten wurden auf diese Weise im Jahr 2005 festgenommen und inhaftiert. In den letzten zehn Jahren waren es mehrere Tausend. Dutzende dieser Betroffenen sitzen heute noch in Gefängnissen ein und verbüssen Strafen in der Grössenordnung von 20 Jahren.
Das Wegsperren von Journalisten bewirkt Angst, es vermittelt eine deutliche Botschaft: Mischen Sie sich nicht in Angelegenheiten ein, die Sie nichts angehen. Korruption bei der Regierung beispielsweise oder mit einflussreichen Persönlichkeiten in Zusammenhang stehende kriminelle Machenschaften oder fehlender politischer Pluralismus und Nichteinhaltung der Menschenrechte.
Mit der Ausnahme einiger prominenter Fälle sind unsere in Gefängniszellen einsitzenden Kollegen, die den Preis für ihre übermässige Neugier oder für ihren Einsatz für Pressfreiheit zahlen, gesichtslos und niemandem bekannt ausser ihren Familien und Kollegen.
Der Weltverband der Zeitungen ist der Auffassung, dass jeder dieser mutigen Männer und Frauen unsere Beachtung und Solidarität verdient und wir es ihnen schuldig sind, uns für ihre Freilassung einzusetzen.
Dabei benötigen wir Ihre Hilfe. Am 3. Mai 2006, dem Welttag der Pressefreiheit, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung diese entsetzlichen Übergriffe deutlich zu machen. Das Motto der Kampagne lautet: 'Kein Wegsperren von Informationen - Schluss mit der Inhaftierung von Journalisten!'
Vielen Dank im Voraus für Ihre Hilfe - im Namen unserer inhaftierten Kollegen.
Timothy Balding,
Chief Executive Officer
Weltverband der Zeitungen
Die diesjährige Kampagne ist von mehreren Personen und Organisationen ermöglicht worden. Unser herzlicher Dank geht an: Agence France-Presse, Associated Press, Beckman’s School of Design, Burma Media Association, Komitee zum Schutz von Journalisten, Michel Cambon, Team Armstrong, Radio Freies Europa.
