Nur nichts Kompliziertes: der „Christian Science Monitor“ im Internet

 

 

Am Freitag (27. März) erscheint die letzte gedruckte Ausgabe des „Christian Science Monitor“. Danach verlassen sich die Herausgeber auf einen lupenreinen Internetauftritt. Dieser allerdings wird ohne Videofilme, bunte Infografiken und andere technische Finessen auskommen.

 

Stattdessen werde man ganz auf den Journalismus setzen, der dem Blatt seit 100 Jahren trefflich diene, so Chefredakteur John Yemma.

„Internetseiten dürfen weder kompliziert noch besonders komplex sein - ihr Unterscheidungsmerkmal ist der Inhalt“, sagte Yemma bei einem Online-Seminar für das Internationale Forum der Chefredakteure.

„Wir setzen keine aufwändigen technischen Neuerungen ein“, so Yemma. „Im Internet lässt sich Rentabilität am besten dadurch erzielen, dass man ständig neue Nachrichten präsentiert. Ein durchgängiger Informationsfluss ohne technische Barrieren - das ist der schnellste Weg zum Wachstum. Unsere Journalisten sollen berichten und nicht den Umgang mit altmodischen Verschlüsselungen oder blinkenden Grafiken erlernen.“

Ausrichter des Internetseminars über den neuen Internetauftritt des „Christian Science Monitor“ war das Internationale Forum der Chefredakteure, die Organisation der Chefredakteure und anderer Führungskräfte der Zeitungswirtschaft unter dem Dach des in Paris ansässigen Weltverbands der Zeitungen.

Wegen des Interesses an der Entscheidung des „Christian Science Monitor“, die Druckausgabe als erste Zeitung in den USA zugunsten eines reinen Internetauftritts einzustellen, werden dieser Ansatz und andere neue Geschäftsmodelle Thema auf dem Weltkongress der Zeitungen und der Konferenz des Internationalen Forums der Chefredakteure sein, die vom 30. November bis 3. Dezember in Hyderabad in Indien stattfinden.

Alle, die sich für Hyderabad anmelden, erhalten einen kostenlosen Mitschnitt des Internetseminars angeboten. Ausführliche Angaben zu den Konferenzen finden sich unter www.wanindia2009.com/homev2.asp?LangId=3.

Von Freitag an wird die Erscheinungsweise des „Monitor“ von täglich auf wöchentlich umgestellt. Trotzdem wird das Blatt für seine Internetseite http://www.csmonitor.com/, die Monat für Monat 2,5 Millionen Einzelbesuche verzeichnet, auch künftig tagesaktuelle journalistische Beiträge erstellen. Ab Mai wird täglich per E-Mail ein Informationsbrief versandt.

Yemma zufolge will das Blatt die Seitenaufrufe bis zum Jahr 2013 um das Fünffache steigern, die Abhängigkeit von einem Zuschuss der Christian Science Church - gegenwärtig etwa 40 bis 50 Prozent der Erlöse - verringern und spätestens im Jahr 2015 finanziell überlebensfähig sein.

Die wichtigsten Informationen aus Yemmas Internetseminar sind im Folgenden aufgeführt.

-  Der in Boston ansässige „Monitor“ wird eine Verteilerstelle mit 30 Autoren und 30 Redakteuren, jeweils acht Auslands- und Inlandsbüros sowie ein Büro in Washington unterhalten. Für die Produktion der Internetseite sind acht bis zehn Arbeitsplätze vorgesehen. Ein Redakteur widmet sich dem täglichen Infobrief, zwölf Redakteure sind für die Erstellung der Wochenzeitung zuständig. „Unsere Journalisten werden sehr viel zu tun haben. Sie werden etwas kürzer und viel schneller schreiben müssen“, so Yemma.

-  Der „Monitor“ führte vor und während der Umstellung Leserbefragungen durch. „In den meisten Kategorien sind sie recht positiv ausgefallen“, so Yemma. Man habe aber auch kritischen Äusserungen Rechnung getragen und werde auch künftig Veränderungen vornehmen. „Das wird nicht 100 Jahre lang so bleiben. Das wird auch nicht 18 Monate lang so bleiben. Wir experimentieren sowohl mit den Preisen als auch mit dem Inhalt, und wenn etwas nicht funktioniert, dann ändern wir es eben.“

-  Das Abonnement für die Internetausgabe kostet 89 USD jährlich. Man erwartet etwa 50.000 Abonnenten, was der aktuellen Auflage der gedruckten Tageszeitung entspricht. Der E-Mail-Dienst kostet 59 USD pro Jahr. „Die Produkte sollen sich ja nicht gegenseitig die Kunden wegnehmen“, so Yemma. Der Zugriff auf die Internetseite des „Monitor“ soll kostenlos sein.

-  Der täglich elektronisch versandte Infobrief soll einen roten Faden in das Tagesgeschehen bringen. „Im Internet herrscht ein ununterbrochener Informationsfluss“, so Yemma. „Ganz egal, zu welcher Tageszeit man hineinschaut, das Aktuellste steht immer obenan. Wir hielten es deshalb für eine gute Idee, den täglichen Nachrichtenstrom unserem redaktionellen Urteil zu unterwerfen. Der Infobrief wird ein eigenständiges Produkt und keine Ansammlung von Links sein.“

WAN und das Internationale Forum der Chefredakteure bieten allen Anmeldern für den Weltkongress der Zeitungen und die Forumskonferenz sowohl einen kostenlosen Mitschnitt des Internetseminars als auch die Möglichkeit zur kostenlosen Teilnahme an künftigen Internetseminaren. Einzelheiten dazu finden sich unter http://www.wanindia2009.com/homev2.....

Das in Paris ansässige Internationale Forum der Chefredakteure (www.worldeditorsforum.org ist die Organisation der Chefredakteure und anderer Führungskräfte der Zeitungswirtschaft unter dem Dach des Weltverbands der Zeitungen (WAN). Der WAN vertritt als globale Organisation der Zeitungswirtschaft 18.000 Zeitungen. Ihm sind 77 nationale Zeitungsverbände, 12 Nachrichtenagenturen, 11 regionale und internationale Presseverbände sowie Zeitungsunternehmen und Führungskräfte der Zeitungen in 102 Ländern angeschlossen.

Auskunft erteilt: Larry Kilman, Director of Communications, WAN, 7 rue Geoffroy St Hilaire, 75005 Paris, Frankreich; Tel.: +33 1 47 42 85 00, Fax: +33 1 47 42 49 48, Mobiltel.: +33 6 10 28 97 36; E-Mail: lkilman@wan.asso.fr.

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