AP-Chef Tom Curley zum bisher Undenkbaren: Verzicht auf Nachrichtenagenturen

 

 

Tom Curley, CEO von Associated Press, konnte als Keynote-Referent für das diesjährige World Editors Forum gewonnen werden. Er wird über eine neue Entwicklung in der Nachrichtenbranche vieler Länder sprechen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre - dass nämlich Zeitungen ihre Berichterstattung durch Kündigung ihrer Verträge mit Nachrichtenagenturen einschränken.

 

Es ist zwar noch nicht der Regelfall, aber in vielen Ländern haben bekannte Regionalzeitungen damit begonnen, ihre Verträge mit den großen internationalen und sogar nationalen Nachrichtenagenturen zu kündigen und damit auf deren breit angelegte Berichterstattung zu verzichten. Natürlich sparen die Zeitungen dadurch viel Geld, aber wie können sie ohne die traditionellen Agenturdienste ihre eigene Angebotsqualität halten? Wie haben sich die Kündigungen auf ihre Arbeitsweise ausgewirkt? Das World Editors Forum hat die Redaktionen um Auskunft darüber gebeten, wie sie mit dieser neuen Herausforderung umgehen - und die Nachrichtenagenturen aufgefordert, sich dazu zu äußern.

Die Nachrichtenagentur Associated Press, die Tausende von Tageszeitungen, Radio- und Fernsehsendern sowie Online-Anbietern zu ihren Kunden zählt, war eine der ersten Agenturen, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzen musste. Tom Curley wird dieses Thema in einer Konferenzsitzung mit einer Reihe von Chefredakteuren und Herausgebern erörtern, darunter Didier Pillet, Geschäftsführender Direktor von La Provence in Frankreich, sowie weiteren Referenten, die noch bekannt gegeben werden.

Das World Editors Forum, der Weltkongress der Zeitungen und die Info Services Expo werden in diesem Jahr vom 7. bis 10. Juni in Beirut, Libanon, stattfinden. Mehr als 1500 Zeitungsverleger, Geschäftsführer, CEOs, Chefredakteure und andere Führungskräfte von Zeitungsunternehmen werden zu diesem Gipfeltreffen der internationalen Zeitungswelt in Beirut erwartet. Die Hauptstadt des Libanon wurde kürzlich von der New York Times als eines der „attraktivsten Reiseziele der Welt“ bezeichnet.

Umfassende Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter www.wanlebanon2010.com/home.php?lang=de.

Weitere Konferenzsitzungen beim World Editors Forum befassen sich mit folgenden Themen:

-  „Neue Finanzierungsmöglichkeiten für den Qualitätsjournalismus: So lässt sich mit Inhalt auch Geld verdienen”. In dieser Sitzung werden einige der neu aufkommenden Geschäftsmodelle vorgestellt, wie die Finanzierung journalistischer Angebote durch Stiftungen oder die direkte Bezahlung durch die Allgemeinheit. Zu den Referenten zählen Paul Steiger, Chefredakteur und Gründer von ProPublica, sowie John Yemma, Chefredakteur des Christian Science Monitor.

-  „Multimedia-Redaktion oder reines Online-Angebot: Welches Modell setzt sich langfristig durch?“ Der Vergleich zwischen den beiden Formen der redaktionellen Organisation soll den Redaktionsverantwortlichen dabei helfen, die Redaktionen ihrer eigenen Zeitungen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und gegebenenfalls neu zu konzipieren. Zu den Referenten zählen Raju Narisetti, der Geschäftsführende Redakteur der Washington Post, sowie Wataru Sawamura, Auslandsredakteur von Asahi Shimbun.

-  „Die Loslösung vom ‚Gestern sagte’-Journalismus“. Diese Konferenzsitzung wird sich mit neuen Möglichkeiten beschäftigen, wie über Nachrichten berichtet werden kann, wenn man davon ausgeht, dass die Leser das Wesentliche einer Meldung bereits kennen. Zu den Referenten zählen Marcus Brauchli, der Chefredakteur der Washington Post, sowie Loïc Le Meur, CEO von Seesmic, einer Aggregator-Site, die Inhalte aus Social Networks zusammenstellt.

-  „Neue Content-Plattformen: Das Jahr des Durchbruchs?“. Diese Sitzung befasst sich mit dem rapide steigenden Absatz von E-Book-Readern und Tablet-PCs sowie der zunehmenden Verfügbarkeit mobiler Endgeräte mit einfachem, komfortablem Zugang zu Nachrichten-Sites. Diese Entwicklung hat erneut die Hoffnungen beflügelt, dass mobile Lesegeräte eine zentrale Rolle bei der Nachrichtenveröffentlichung spielen könnten. Die gemeinsame Veranstaltung mit dem Weltkongress der Zeitungen befasst sich mit aktuellen Tests von Zeitungen, die auf Geräten dieser Art publizieren, und bietet einen kompakten Überblick über das aktuelle Marktangebot.

-  „Wird der Journalismus ökologisch?“. Diese Konferenzsitzung geht der Hinwendung zu Themen wie Umweltschutz, Klimawandel und Nachhaltigkeit nach. Die Leserschaft möchte mehr zu diesen Themen geboten bekommen, die in allen Ressorts zum Tragen kommen: Wirtschaft, Politik, ja sogar Sport und Freizeit. Die Entwicklung legt nahe, dass die Sach- und Fachkenntnis in den Redaktionen erweitert und vertieft und eine neue Form der Berichterstattung gefunden werden muss.

-  „Wie soll die journalistische Aus- und Weiterbildung künftig aussehen?“. Diese Konferenzsitzung befasst sich mit der Frage nach der richtigen Schulung für Journalisten. Vor über zehn Jahren begannen die Zeitungen damit, ihre Journalisten für den Umgang mit neuen Medien und für neue Formen der Berichterstattung (Storytelling) zu schulen. Aber sind diese Maßnahmen auch ihr Geld wert? Ist das Gelernte nach sechs oder neun Monaten noch von Nutzen? Bewirkt stundenlanger Unterricht tatsächlich eine Änderung der journalistischen Denkweise?

-  „Kollektives Wissen für die hyperlokale Nachrichtenberichterstattung nutzen“. In dieser Sitzung werden neue Formen des Journalismus untersucht, die sich aus der Interaktion mit Lesern ergeben. Chefredakteure, die im Bereich hyperlokale Nachrichten aktiv geworden sind, werden von ihren Erfahrungen mit Crowdsourcing und anderen Methoden berichten, darunter Bart Brouwers, Projektredakteur für hyperlokale Nachrichten bei der Telegraaf Media Group in den Niederlanden.

-  „Unsere News und Google News: Wie können wir zusammenarbeiten?“ Diese Sitzung geht der Frage nach, wie Zeitungen und Google zum gegenseitigen Vorteil zusammenarbeiten könnten. Nachdem Google der Zeitungsindustrie 2009 einige konstruktive Vorschläge unterbreitet hat, ist Bewegung in die verhärteten Fronten gekommen und gibt es Anzeichen dafür, dass Google eher bereit ist zu einem Dialog.

-  Sowie weitere Themen und Referenten, die noch bekannt gegeben werden. Die fortlaufend aktualisierten Konferenzprogramme finden Sie unter www.wanlebanon2010.com/articles.php....

Das in Paris ansässige World Editors Forum (www.worldeditorsforum.org) ist die Organisation für Chefredakteure und andere leitende redaktionelle Führungskräfte von Zeitungen im Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA).

WAN-IFRA, mit Sitz in Paris, Frankreich, und Darmstadt, Deutschland, sowie Regionalbüros in Singapur, Indien, Spanien, Frankreich und Schweden, ist der Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien und vertritt mehr als 18.000 Publikationen, 15.000 Online-Sites und über 3000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern. Die Organisation entstand durch den Zusammenschluss zwischen dem Weltverband der Zeitungen (WAN) und IFRA, der Research- und Serviceorganisation für die Zeitungsindustrie.

Auskunft erteilt: Larry Kilman, Director of Communications and Public Affairs, WAN-IFRA, 7 rue Geoffroy St Hilaire, 75005 Paris, Frankreich. Tel.: +33 1 47 42 85 00. Fax: +33 1 47 42 49 48. Mobil: +33 6 10 28 97 36. E-Mail: larry.kilman@wan-ifra.org.

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