„World Press Trends“: Bei Werbeeinnahmen Tendenz steigend, Auflagen relativ stabil

 

 

Die Zeitungsauflagen waren trotz des Konjunkturabschwungs 2009 weltweit nur leicht rückläufig und die Auswirkungen der weltweiten Rezession auf die Anzeigen- und Werbeeinnahmen der Zeitungen werden offenbar schwächer. Das geht aus der neuesten jährlichen Studie „World Press Trends“ hervor, die heute (Mittwoch) vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA) vorgestellt wurde.

 

Der Bericht zeigt, dass die Zeitungsindustrie entgegen landläufiger Meinung weiterhin weltweit eine bedeutende und florierende Branche ist, trotz der Auswirkungen der globalen Rezession und der zunehmenden Verbreitung digitaler Medien.

„Offen gesagt, ist mir aufgefallen, dass Medienjournalisten und Kommentatoren dazu neigen, auf den negativen Aspekten des Geschäfts herumzureiten, obwohl es eindeutig auch viel Positives gibt“, erklärte Christoph Riess, CEO der WAN-IFRA, bei der Vorstellung des Berichts.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick:

-  1,7 Milliarden Menschen lesen täglich eine Tageszeitung; das entspricht 25 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung. Zeitungen mit nicht-täglicher Erscheinungsweise mit eingerechnet, kommen Zeitungen weltweit auf eine Reichweite von 37 Prozent.

-  Die Auflage der Tageszeitungen ging 2009 um 0,8 Prozent zurück - ein leichter Rückgang in Anbetracht der starken Rezession und im Vergleich zu den rückläufigen Entwicklungen in anderen Branchen - verzeichnet jedoch im Fünfjahresmittel nach wie vor einen Zuwachs von 5,7 Prozent. Auflagenrückgänge ergaben sich vor allem in den reifen Medienmärkten der Industrieländer, während Asien weiterhin ein deutliches Wachstum verzeichnet: 1 Prozent im Jahr 2009 and 13 Prozent im Fünfjahresmittel.

-  Die Mehrzahl der Länder - 61 Prozent - vermelden stabile Auflagen oder Auflagenzuwächse im vergangenen Jahr und 68 Prozent bekunden stabile Auflagen oder Auflagenzuwächse in den vergangenen fünf Jahren.

-  2009 wurden weltweit insgesamt 12.477 Zeitungen verlegt; das entspricht einem Zuwachs von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

-  Die Werbeerlöse der Zeitungen gingen 2009 weltweit um 17 Prozent zurück, was vorwiegend die Auswirkungen der globalen Rezession auf die Gesamtwirtschaft widerspiegelt. Doch der Werbemarkt erholt sich und wird 2010 laut Prognose von Zenith Optimedia voraussichtlich um 3,5 Prozent wachsen, wobei alle Regionen ein Plus verzeichnen werden.

-  Das Fernsehen ist mit einem Anteil von 39 Prozent das weltweit größte Werbemedium, gefolgt von Zeitungen mit einem Anteil von 24 Prozent und dem Internet mit 12 Prozent. Ein Großteil der Internetwerbung wird weiterhin in die Online-Suche eingebunden, die ein Marktakteur - Google - dominiert, der 65 Prozent des Marktes für sich verbucht.

Obwohl die traditionellen Zeitungen in vielen reifen Märkten Leser verloren haben, stehen die Zeitungsverlage in diesen Märkten an der Spitze der digitalen Revolution, wie Christoph Riess deutlich machte.

„Viele Zeitungsverlage in den reifen Märkten haben sich digitale Plattformen und neue Formen des Print-Publishing zu eigen gemacht und bauen so ihr Produktportfolio, ihre Reichweite und ihre Einnahmen aus, während ihre traditionellen Printauflagen unter Druck geraten sind“, sagte Riess.

„Tatsächlich“, so Riess weiter, „ist diese Metamorphose des Printzeitungsgeschäfts in ein dynamisches, Print-basiertes, aber auf digitale Expansion ausgerichtetes New-Media-Geschäftsmodell für unsere Branche zugleich Problem und Chance.“

„Vielen wird immer deutlicher, dass unser Printgeschäft vor grundlegenden Veränderungen steht. Wir wissen, mit welchen Herausforderungen unsere großen Metropolzeitungen in den entwickelten Märkten konfrontiert sind, aber seltener erfahren wir etwas über den sich wandelnden, wachsenden Printzeitungsmarkt andernorts, wo neue Produkte und neue Zeitungen herausgebracht werden, um den Bedürfnissen eines sich rasch entwickelnden und zunehmend anspruchsvollen Marktes gerecht zu werden.“

Die neuen Daten wurden bei der jährlichen Publish Asia Konferenz der WAN-IFRA in Kuala Lumpur, Malaysia, bekannt gegeben, an der rund 400 Verleger, Herausgeber, Chefredakteure und andere Führungskräfte von Zeitungsverlagen aus 32 Ländern teilnahmen.

Der Bericht umfasst Daten aus allen 233 Ländern und Gebieten, in denen Zeitungen herausgegeben werden.

Die Zahlen im Einzelnen:

Entwicklung der Auflagenzahlen

-  Die weltweite Auflage der kostenpflichtigen Tageszeitungen ging 2009 gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent auf 517 Millionen verkaufte Exemplare zurück. Aufgeschlüsselt nach Regionen stieg die Auflage um 1 Prozent in Asien und um 4,8 Prozent in Afrika. Sie sank um 3,4 Prozent in Nordamerika, 4,6 Prozent in Südamerika, 5,6 Prozent in Europa und 1,5 Prozent in Australien und Ozeanien.

-  Im Fünfjahresmittel stieg die weltweite Auflage der kostenpflichtigen Tageszeitungen um 5,7 Prozent. Sie verzeichnete einen Zuwachs von 30 Prozent in Afrika, 13 Prozent in Asien und 5 Prozent in Südamerika sowie einen Rückgang um 10,6 Prozent in Nordamerika, 7,9 Prozent in Europa und 5,6 Prozent in Australien und Ozeanien.

-  Unter Einbeziehung der Gratiszeitungen schrumpfte die weltweite Auflage 2009 um 1,7 Prozent, stieg jedoch im Fünfjahresmittel um 7,7 Prozent. Auf die Gruppe der Gratiszeitungen entfallen inzwischen 20 Prozent der Gesamtauflage in Europa, 11 Prozent der Auflage in Südamerika, 7 Prozent der Auflage in Nordamerika und 9 Prozent der Auflage in Australien und Ozeanien.

-  Die weltweite Anzahl der Tageszeitungstitel erhöhte sich 2009 um 1,7 Prozent auf 12.477. Die Anzahl der Titel stieg um 2,7 Prozent in Asien, 1,3 Prozent in Nordamerika, 1 Prozent in Südamerika und 0,2 Prozent in Afrika und war in Europa, Australien und Ozeanien stabil.

-  Die weltweite Auflage der kostenpflichtigen nicht täglich erscheinenden Zeitungen verzeichnete 2009 gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von 2,5 Prozent auf 278 Millionen verkaufte Exemplare. Aufgeschlüsselt nach Regionen ergab sich für die Auflage der nicht täglich erscheinenden Zeitungen ein Plus von 3,1 Prozent in Asien, 1,8 Prozent in Australien und Ozeanien und 1,5 Prozent in Europa, keine Veränderung in Südamerika sowie ein Rückgang um 6,2 Prozent in Afrika und um 1,4 Prozent in Nordamerika.

-  Im Fünfjahresmittel stieg die weltweite Auflage der kostenpflichtigen nicht täglich erscheinenden Zeitungen um 15,6 Prozent. Verzeichnet wurde ein Zuwachs von 18,7 Prozent in Europa und von 17,3 Prozent in Asien, eine unveränderte Auflage in Südamerika sowie ein Rückgang um 7,1 Prozent in Nordamerika, 5,1 Prozent in Australien und Ozeanien und 0,1 Prozent in Afrika.

-  Die fünf größten Zeitungsmärkte sind Indien mit 110 Millionen verkauften Exemplaren pro Tag, China mit 109 Millionen, Japan (50 Millionen), USA (46 Millionen) und Deutschland (20 Millionen). 67 der 100 auflagenstärksten Tageszeitungen der Welt erscheinen in Asien.

Entwicklung der Werbeerlöse

-  Der weltweite Werbemarkt wird laut Prognose von Zenith Optimedia 2010 um 3,5 Prozent wachsen. Ein starkes Wachstum von 5,8 Prozent wird für Asien prognostiziert, während der Werbemarkt in Westeuropa voraussichtlich um 2,2 Prozent und in Nordamerika um 1,3 Prozent wachsen wird.

-  Die weltweiten Werbeerlöse von Zeitungen gingen 2009 um 17 Prozent zurück. Die Zeitungen in Nordamerika büßten ein Viertel ihrer Werbeeinnahmen ein. Rückläufig war das Werbegeschäft der Zeitungen auch in Westeuropa (-13,7 Prozent), Mittel- und Osteuropa (-18,7 Prozent), Asien (-9,6 Prozent) und Lateinamerika (-2,9 Prozent), während es im Nahen Osten und in Afrika unverändert war.

-  Im Fünfjahresvergleich ergab sich für die weltweiten Werbeerlöse ein Rückgang um 17,9 Prozent. In Nordamerika gingen die Erlöse um ein Drittel zurück, in Westeuropa um 15 Prozent und in Asien um 5,4 Prozent. Eine positive Erlösentwicklung verzeichneten Lateinamerika mit 46,5 Prozent sowie Mittel- und Osteuropa mit 1,1 Prozent. Im Nahen Osten und in Afrika war die Erlössituation unverändert.

-  Es gibt zunehmend Anhaltspunkte dafür, dass Printanzeigen eine größere Werbewirksamkeit haben als Fernseh- oder Internetwerbung. Aus einer kürzlich in Großbritannien veröffentlichten Studie von Microsoft geht hervor, dass jede Ausgabe für Printwerbung das Fünffache an Einnahmen einbringt. Im Vergleich dazu wird mit Ausgaben für Fernsehwerbung das 2,2-Fache und mit Ausgaben für Onlinewerbung im Internet das 3,4-Fache an Einnahmen erzielt.

Entwicklung des Onlinegeschäfts

-  Die Einnahmen aus dem Online-Anzeigengeschäft werden in absehbarer Zeit die Verluste im Printanzeigengeschäft nicht wettmachen können. Darum ist die Suche nach neuen Geschäftsmodellen - wie etwa dem kostenpflichtigen Zugang zu Online-Nachrichten - für viele Zeitungen von großer Bedeutung.

-  Die Nachrichtenverbreitung auf mobilem Wege scheint für die Zeitungen vielversprechender zu sein als die klassische Verbreitung von Inhalten per Internet: Mobilmedien erreichen 100 Prozent Reichweite in allen demografischen Zielgruppen und die Nutzer sind es durchaus gewohnt, für mobile Inhalte bezahlen zu müssen. Doch sind hier auch verschiedene Einschränkungen zu nennen: Es muss sich erst noch ein geeignetes Werbemodell herausbilden und außerdem haben diejenigen, die die mobilen Verbreitungskanäle kontrollieren, bisher wenig Interesse an Inhalten und Partnerschaften gezeigt.

-  Elektronische Lesegeräte bieten ebenfalls großes Potenzial; problematisch sind hier noch die eingeschränkte Lesbarkeit und der Bedarf an leistungsstarken Akkus, die auch auf absehbare Zeit noch recht schwer und umweltbelastend sein dürften.

-  Die Ausgabe 2010 der World Press Trends kann ab sofort unter www.wan-press.org/worldpresstrends2... heruntergeladen werden.

Der 1230 Seiten starke Bericht enthält neben vielen nach Ländern geordneten Daten auch Informationen zu folgenden Aspekten:

Nicht täglich erscheinende Publikationen, die sich in manchen Ländern besser verkaufen als Tageszeitungen;

Prognosen über die Werbeausgaben für Zeitungen und Zeitschriften sowie die Gesamtausgaben für 2010, 2011 und 2012;

Entwicklungen hinsichtlich Format und Verkaufspreis von Tageszeitungen, Farbdruck, Medienkonsum, Erlösen aus gestalteten Anzeigen und Rubrikanzeigen sowie der Umsatzverteilung zwischen Einzel- und Abonnementverkauf;

Angaben zu den auflagenstärksten Titeln in jedem Land, den wichtigsten Branchen für Zeitungswerbung und den größten Werbekunden;

Steuersätze und Arbeitsbedingungen für die Presse, Subventionen, Eigentumsregelungen und vieles mehr.

WAN-IFRA, mit Sitz in Paris, Frankreich, und Darmstadt, Deutschland, sowie Regionalbüros in Singapur, Indien, Spanien, Frankreich und Schweden, ist der Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien und vertritt mehr als 18.000 Publikationen, 15.000 Online-Sites und über 3000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern. Die Organisation entstand durch den Zusammenschluss zwischen dem Weltverband der Zeitungen (WAN) und IFRA, der Research- und Serviceorganisation für die Zeitungsindustrie.

Mehr über WAN-IFRA erfahren Sie auf www.wan-ifra.org oder durch das WAN-IFRA Magazine.

Auskunft erteilt: Gilles Demptos, Business Development Director, WAN-IFRA Asia Pacific Pte. Ltd., Singapur, Tel.: +65 6562-8443, Fax: +65.6562-8441, E-Mail: gilles.demptos@wan-ifra.org.

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