Wie das Gutenberg-Museum in Mainz, in dem die erste Druckerpresse der Welt steht, WAN mitteilte, wurde die „Geburtsurkunde“ der Zeitung „Relation“ im Straßburger Stadtarchiv entdeckt. Straßburg gehörte zu Beginn des 17. Jahrhunderts zum damaligen Deutschen Reich.
„Der Nachweis ist zwingend, und ich glaube, wir können in diesem Jahr alle sagen: ‚herzlichen - vierhundertsten - Glückwunsch der gedruckten Zeitung‘! Unser Exekutivausschuss hat alle Fakten geprüft und sich vom Wahrheitsgehalt der Geschichte überzeugen lassen“, so WAN-Generaldirektor Timothy Balding.
Martin Welke, Gründer des Deutschen Zeitungsmuseums und zusammen mit dem Straßburger Historiker Professor Jean Pierre Kintz „Vater“ der Entdeckung, sagte gegenüber dem WAN, der Verleger von „Relation“ sei ein gewisser Johann Carolus gewesen, der sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts seinen Lebensunterhalt mit der Herstellung handschriftlicher Rundbriefe verdient habe, die er zu sehr hohen Preisen an reiche Abnehmer verkaufte. Die verbreiteten Neuigkeiten habe er von einem Netz werk bezahlter Korrespondenten erhalten.
„Im Jahr 1604 erwarb er von der Witwe eines bekannten Druckers eine vollständig ausgestattete Druckerei“, so Dr. Welke. „Im Sommer des Jahres 1605 stellte er die Produktion auf den Druck seiner ... Zeitungen um, weil ihn die Vervielfältigung per Hand ‚zuviel Zeit‘ kostete.“ Darüber hinaus habe Carolus ausgerechnet, dass er wesentlich mehr verdienen könne, wenn er „eine höhere Auflage zu einem niedrigeren Preis“ drucke.
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 Im Jahr 1605 reichte Johann Carolus dem Straßburger Stadtrat seine Bittschrift zum Schutz seiner Zeitung vor Nachdrucken ein.
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Im Oktober desselben Jahres habe Carolus den Straßburger Stadtrat um den „Schutz vor Nachdrucken durch andere Drucker“ ersucht. Der Rest ist Geschichte...
„Schon damals also Probleme mit dem Urheberschutz“, sagte Balding, „und strategische Überlegungen über Preise und Auflage.“
„Heute lesen über eine Milliarde Menschen in aller Welt täglich eine gedruckte Tageszeitung - eine Zahl, die in den letzten fünf Jahren nicht zufällig um fast fünf Prozent grösser geworden ist“, fügte Balding hinzu. „Wir sind also nicht nur 400 Jahre alt - oder jung -, sondern erfreuen uns global auch bester Gesundheit und können vermutlich mindestens den nächsten hundert Jahren mit Zuversicht entgegensehen.“
Das Gutenberg-Museum feiert den 400. Geburtstag mit einer grossen Ausstellung, auf der im Juli dieses Jahres die Geschichte des Zeitungsdrucks von Anbeginn nachvollzogen wird. Dr. Welke wird als Kurator fungieren. Timothy Balding wird eine Eröffnungsansprache halten.
Der in Paris ansässige WAN hat sich als globale Organisation der Zeitungswirtschaft gesetzt. Er vertritt 18.000 Zeitungen. Zu den Mitgliedern gehören 72 nationale Zeitungsverbände, Führungskräfte in 102 Ländern, 10 Nachrichtenagenturen sowie 10 regionale und internationale Presseorganisationen.
Auskunft erteilt: Larry Kilman, Director of Communications, WAN, 7 rue Geoffroy St Hilaire, 75005 Paris, Frankreich, Tel.: +33 1 47 42 85 00, Fax: +33 1 47 42 49 48, Mobil: +33 6 10 28 97 36, E-Mail: lkilman@wan.asso.fr. |