„Wir verurteilen den Mord an Tueni, der ein aussergewöhnlicher, mutiger und entschlossener Verleger und Journalist war, auf das Schärfste“, hiess es in einer Verlautbarung des WAN, der die libanesische Regierung aufforderte, mit aller Kraft dafür zu sorgen, dass die Mörder rasch vor Gericht gestellt werden.
Tueni war seit 10 Jahren Mitglied des WAN-Vorstands. Mitte der 90er Jahre erhielt er den Verlegerpreis des WAN „Award for Publishing Achievement“ für seinen Mut und seine Beharrlichkeit bei der Veröffentlichung seiner Zeitung „An-Nahar“ während des libanesischen Bürgerkriegs. Darüber hinaus war Tueni über Jahre hinweg führendes Mitglied des WAN-Ausschusses für Pressefreiheit und nahm in dieser Funktion an mehreren Reisen unter anderem nach China und Algerien teil.
In der Verlautbarung des WAN hiess es ferner: „Die Weltpresse hat einen ihrer grössten Verteidiger der Presse- und der Meinungsfreiheit verloren. Tuenis Tod ist ein schwerer Verlust nicht nur für seine Familie, seine Freunde und seine Kollegen, sondern auch für die Pressefreiheit und die Hoffnung im Mittleren Osten.
Gebran Tueni wusste sehr gut, dass er auf der ‚Abschussliste‘ der Mörder, die den politischen Prozess im Libanon torpedieren wollen, ganz oben stand. Trotzdem hatte er sich entschieden, an der Spitze seiner Zeitung zu bleiben, die unter seiner Führung eine Säule des unabhängigen Journalismus in der arabischen Welt war.
Noch im vergangenen Monat wurde Tueni von WAN-Generaldirektor Timothy Balding gefragt, wie er denn den Mut aufgebracht habe, trotz ernst zu nehmender Morddrohungen weiterzuarbeiten. Seine Antwort hatte gelautet: ‚Was soll ich denn machen? Ich bin zufrieden. Meine Zeitung ist dank ihrer wahrheitsgemässen Berichterstattung ein wichtiger Motor der Entwicklung zu wahrer Unabhängigkeit für mein Land. Das ist nach all diesen Jahren des Konflikts etwas, worauf wir stolz sein können’.
Tueni ist seit der Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Rafik Hairiri im Februar 2005 schon der vierte Journalist, der den syrischen Einfluss im Libanon kritisiert hat und umgebracht wurde; das letzte Opfer vor ihm war der für ‚An-Nahar‘ tätige Kolumnist Samir Qassir. WAN fordert die libanesische Regierung auf, die Mörder schnell aufzuspüren und vor Gericht zu stellen. Darüber hinaus fordert er die Vereinten Nationen auf, ihre Ermittlungen gegen Syrien fortzusetzen und geeignete Massnahmen gegen die syrische Regierung zu ergreifen.
Die Kolleginnen und Kollegen Tuenis beim WAN möchten gegenüber seiner Familie, seinen Kollegen und seinen Freunden ihr tief empfundenes Beileid zum Ausdruck bringen. Die Weltpresse hat einen untadeligen und mutigen Menschen verloren.“
Der in Paris ansässige WAN vertritt 18.000 Zeitungen und setzt sich als weltweit tätiger Dachverband der Zeitungswirtschaft für den Schutz und die Förderung der Pressefreiheit ein. Ihm sind 73 nationale Zeitungsverbände, Einzelmitglieder in 102 Ländern, 11 Nachrichtenagenturen sowie neun regionale und internationale Presseverbände angeschlossen.
Auskunft erteilt: Larry Kilman, Director of Communications, WAN, 7 rue Geoffroy St Hilaire, 75005 Paris, Frankreich; Tel.: +33 1 47 42 85 00, Fax: +33 1 47 42 49 48, Mobil: +33 6 10 28 97 36, E-Mail: lkilman@wan.asso.fr. |