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Rio de Janeiro, Brasilien, 12. Juni 2000 Trends in der Weltpresse: Der Zuwachs bei Zeitungen setzt sich fort
Im Jahr 1999 haben Zeitungen in vielen Ländern nicht nur ihre Verkaufszahlen steigern, sondern teilweise auch bei den Anzeigeneinnahmen beträchtliche, zum Teil sensationelle Zuwächse verzeichnen können. Dies geht aus dem vom Weltverband der Zeitung jährlich durchgeführten Studie zu Trends in der Weltpresse hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Die Untersuchungsergebnisse, die den mehr als 1.300 Verlegern, Herausgebern und Chefredakteuren aus 71 Ländern auf dem 53. Weltkongress der Zeitungen und dem 7. Internationalen Forum der Chefredakteure in Rio de Janeiro vorgestellt werden, zeigen folgendes Bild:
"Der Gedanke, dass es mit Zeitungen bergab gehen könnte, liegt jetzt weit hinter uns. Die Zeitungswirtschaft ist äusserst lebendig und robust und befindet sich eindeutig im Aufschwung", sagte WAN Generaldirektor Timothy Balding bei der Vorstellung der 11. jährlichen WAN-Studie zur Zeitungsbranche weltweit auf dem Kongress in Rio. "Der angesichts der zunehmenden Vielfalt der Medienmärkte neuartige und intensiver werdende Wettbewerb erweist sich für Zeitungen als ein Ansporn, ihre traditionellen Stärken besser zu nutzen und die Möglichkeiten der neuen Medien unter Einsatz ihrer als dominierende Akteure auf vielen Informationsmärkten gewonnenen Erfahrungen voll zu nutzen", sagte er. "Zeitungen verbessern ihren Inhalt und ihre Form ständig. Sie passen ihre Marketingstrategie und ihre Preispolitik zunehmend den Gegebenheiten und Bedürfnissen ihrer Werbekunden an. Sie machen sich die durch das Internet gegebenen Möglichkeiten der Informationsverbreitung immer stärker zu eigen". Die vom WAN seit 1987 jährlich herausgegebene Studie umfasst in diesem Jahr Informationen aus 64 Ländern. Die Studie Trends in der Weltpresse 2000 enthält folgende Angaben: Auflage
In den letzten fünf Jahren ging der Absatz von Zeitungen in der EU um 2,2 Prozent zurück; das entspricht 1,85 Millionen weniger Zeitungskäufern in der Europäischen Union in 1999 als in 1995. Dieser Rückgang ist sehr viel geringer als in den fünf Jahren vor 1999. Die nationalen Zahlen weisen für 1999 eine Zunahme der Auflagen von Tageszeitungen in sieben EU-Ländern im Jahr 1999 aus: Österreich +8,5 Prozent, Portugal +2,0 Prozent; Irland +1,8 Prozent, Grossbritannien +1,5 Prozent, Italien +1,1 Prozent, Luxemburg +0,3 Prozent und Frankreich +0,2 Prozent. Österreich konnte einen Auflagenzuwachs in vier aufeinanderfolgenden Jahren verzeichnen; Irland und Italien in drei und Portugal, Frankreich und Luxemburg in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. In Grossbritannien zeigte sich zum ersten Mal seit 1989 ein Auflagenanstieg. Die Auflagenzahlen in Belgien hielten sich auf einem beständigen Niveau. Im Vergleich zu 1995 betrug der Rückgang weniger als die Hälfte der vorangegangenen fünf Jahre. Nach zwei Jahren stetigen des Wachstums haben sich die Auflagenzahlen in Spanien stabilisiert. In lediglich sechs der 15 EU-Mitgliedstaaten ging die Auflagenhöhe von Tageszeitungen zurück: Griechenland 5,5 Prozent, Dänemark 3,5 Prozent, Schweden 2,3 Prozent, Deutschland 1,8 Prozent, Niederlande 0,9 Prozent und Finnland 0,5 Prozent. In Dänemark, Schweden und Deutschland beschleunigte sich 1998 die rückläufige Tendenz.. In den Niederlanden war nur ein sehr geringer Auflagenrückgang zu verzeichnen.
Fünf Länder, die bereits gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg verzeichneten, konnten in dem Fünfjahreszeitraum wiederum einen Auflagensteigerung erzielen: Österreich (+38,3 Prozent), Portugal (+12,5 Prozent) und Spanien (+1,5 Prozent); auch Irland und Frankreich konnten mit +3,8 Prozent bzw. +0.3 Prozent einen Zuwachs verzeichnen.
In den letzten fünf Jahren ist die Tageszeitungsauflage in den USA um 3,8 Prozent gesunken, in den letzten zehn Jahren um 10,7 Prozent. Damit werden heute in den USA 6,67 Millionen Exemplare weniger verkauft als vor zehn Jahren. Bei der Zahl der Titel zeigte sich in den letzten fünf Jahr ein Rückgang um 50 Titel. Bemerkenswert ist die Feststellung, dass während dieses Zeitraums die Auflagenhöhe der weniger gewordenen Titel im Durchschnitt konstant geblieben ist. Der japanische Zeitungsmarkt lässt sich von der Entwicklung in den übrigen Industrienationen wenig beeindrucken. Zwar ging die Auflage der Tageszeitungen mit 0,3 Prozent 1999 leicht zurück, doch konnten sie gegenüber den letzten fünf Jahren einen Zuwachs um 0,2 Prozent aufweisen. In den vergangenen zehn Jahren betrug die Steigerung 1 Prozent; das bedeutet, dass heute 761.000 mehr Tageszeitungen in Japan verkauft werden als vor zehn Jahren.
Die Situation in diesem Teil der Welt ist natürlich auch von den wirtschaftlichen Problemen in mehreren Ländern dieser Region gekennzeichnet. Aber es gibt auch Ausnahmen wie beispielsweise China, in dem die Auflagenzahlen im letzten Jahr die Grenze von 50 Millionen (+12.7 Prozent) überschritten haben. In Taiwan stieg die Zahl der Titel von 149 auf 170 an und in Indonesien führte die Lockerung der Regulierungsmassnahmen zu einer Erhöhung der Zahl der Tageszeitungen von 79 auf 172.
Norwegen und Japan sind mit 583 bzw. 574 Exemplaren täglich weiterhin die Länder, in denen die meisten Tageszeitungen je 1000 Einwohner verkauft werden. . Finnland rangiert mit 452 an dritter Stelle, gefolgt von Schweden mit 420 und dann der Schweiz mit 376. Von den 56 Ländern, für die Daten vorliegen, verzeichnen 23 weniger als 100 verkaufte Exemplare je 1000 Einwohner: Ukraine (84), Libanon (74), Portugal (73), Costa Rica (72), Zypern (69), Griechenland und die Türkei (64), die Philippinen (63), Argentinien (56), Brasilien (46), China (40), Polen (37), Südafrika (29), Sri Lanka (29), Indien (28), Kolumbien (26), Indonesien (23), die Mongolei (17), Aserbaidschan (10), Kirgisistan (9), Kenia (8), Peru (4) und Kamerun (0.5). Leserzahlen
Allerdings ist der Reichweitenabstand zwischen diesen Ländern häufig wesentlich geringer als bei der Auflage pro tausend Einwohner. So lesen zwar 75 Prozent der Esten täglich eine Zeitung, doch werden lediglich 189 Exemplare je 1.000 Einwohner täglich verkauft. In Deutschland beträgt die Reichweite 78 Prozent, in Österreich 76, in Luxemburg 69 und in den Niederlanden 67 Prozent. In den Vereinigten Staaten lesen 57 Prozent der Erwachsenen täglich und 75 Prozent wöchentlich eine Zeitung. Der Durschnittswert für Westeuropa liegt bei 62,1 Prozent, entsprechend einer Steigerung um 1,1 Prozentpunkte. Wenn man die Reichweite betrachtet, stellt sich die Lage in mehreren Ländern mit sehr niedrigen Verkaufszahlen schon wesentlich positiver dar. So lesen in Kenia, wo 8 Einwohner pro Tausend eine Tageszeitung kaufen, 40 Prozent der Erwachsenen eine Zeitung. In Indonesien, wo 23 pro Tausend eine Zeitung kaufen, lesen 50 Prozent der Erwachsenen Zeitung. Die entsprechenden Zahlen für Portugal liegen bei 73 Einwohnern und 40 Prozent und für Malaysia bei 112 Einwohnern und 60 Prozent.
In keinem Land der Welt, soweit sie in der WAN-Studie erfasst sind, lesen Männer und Frauen zu gleichen Teilen eine Tageszeitung. Mit 96 Prozent Männern und 95 Prozent Frauen, die Zeitungen wöchentlich lesen, ist der Abstand in Costa Rica am geringsten. Die anderen Länder, in denen eine Annäherung stattfindet, sind die nordeuropäischen Staaten. In Finnland lesen 93 Prozent der Männer und 90 Prozent der Frauen täglich eine Zeitung, in Schweden sind es 89 bzw. 88 Prozent, in Norwegen 84 bzw. 79 Prozent und in Dänemark 76 bzw. 70 Prozent.
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In Norwegen gingen die Ausgaben für Anzeigen im letzten Jahr zwar zurück, aber sie liegen nach wie vor um 36.4 Prozent höher als1995. In der Schweiz lag der Zuwachs bei Anzeigenausgaben bei 5 Prozent. Die gesamten Anzeigenausgaben in der europäischen Zeitungswirtschaft nahmen im letzten Jahre um 8,9 Prozent zu. Die EU-Länder mit dem geringsten Wachstum sind die Niederlande (0,7 Prozent) und Deutschland (2,7 Prozent).
In 16 Ländern konnten Zeitungsverlage ihren Anteil am Anzeigenmarkt in den letzten fünf Jahren erhöhen: Argentinien, Costa Rica, Griechenland, Hongkong, Irland, Italien, Libanon, Luxemburg, Malaysia, Peru, Philippinen, Puerto Rico, Südafrika, Südkorea, Tschechien und Türkei. In anderen Ländern ging der Marktanteil zurück, so um 16 Prozentpunkte in Bulgarien, 11 in Ungarn, und um 7 in Slowenien. Mehr als 50 Prozent des Anzeigenmarktes entfallen auf nur acht Länder, auch wenn in vier davon - Dänemark, Finnland, Schweden und der Schweiz der Marktanteil seit 1995 zurückgegangen ist. Der niedrigste Anteil am Anzeigenmarkt entfiel auf Zeitungen in Russland und Ungarn (15 Prozent), Mexiko (14 Prozent), Kolumbien, Peru, Polen und Zypern (11 Prozent). In Japan und den USA ging der Marktanteil der Zeitungen zwischen 1995 und 1999 um jeweils 2 Prozentpunkt zurück und im Vergleich zu 1998 um einen Prozentpunkt
Internet Zum dritten Mal sind in der Untersuchung Daten über die Entwicklung von Zeitungs-Websites enthalten. In den 35 Ländern, für die Vergleichsdaten für 1998 und 1999 vorlagen, hat sich die Anzahl der Websites ganz wesentlich erhöht: in Australien um 258 Prozent, in China um 174 Prozent, in Italien um 121 Prozent, in der Turkei um 100 Prozent, in Bulgarien um 75 Prozent, in Südkorea um 62 Prozent, in den US um 28 Prozent, in Deutschland um 26 Prozent, in den Niederlanden um 25 Prozent und in Brasilien um 14 Prozent. "Lesegewohnheiten ändern sich", sagte Timothy Balding. "Die Zeitung etabliert sich aber immer stärker als Plattform, oder man könnte sogar sagen als Portal für Nachrichten und Informationen, die in verschiedenen Formen zugänglich sind. In Ländern, in denen weiterhin von einer rückläufigen Leserschaft berichtet wird, könnten die Zahlen aber zu Fehlinterpretationen führen. Denn wo die Nutzung des Internets stark verbreitet ist, haben einige Zeitungen eventuell einen leichten Rückgang ihrer gedruckten Ausgaben verbuchen müssen, doch diesen Verlust konnten sie in vielen Fällen dank der gestiegenen Besucherzahl ihrer Websites mehr als wettmachen". "Tatsache ist, dass viele Zeitungen feststellen können, dass sie weit häufiger gelesen werden als früher, nur geschieht dies heute auf zwei verschiedene Arten: zum einen durch den Griff zur traditionellen gedruckten Zeitung, zum anderen durch den Besuch der Website. Diese Kombination hat sich nicht nur als sehr wirkungsvoll erwiesen, sondern sie fördert auch das Image und die Reichweite vieler Zeitungen". Mehrtageszeitungen
Die höchsten Wachstumsraten haben die Mehrtageszeitungen seit 1995 in Kolumbien zu verzeichnen, wo der Verkauf in fünf Jahren um mehr als das Doppelte angestiegen ist (plus 126 Prozent), Indonesien (plus 110 Prozent), Irland (plus 57 Prozent), Neuseeland (plus 41 Prozent) und Zypern (plus 30 Prozent). Negativ entwickelte sich die Auflage in den Niederlanden (minus 35 Prozent), in der Mongolei (minus 30 Prozent) und in Portugal (minus 20 Prozent). Untersucht wurden auch die Verkaufszahlen der Mehrtageszeitungen pro tausend Einwohner sowie die Anzahl der Titel pro einer Million Einwohner. Beim Absatz liegt die Ukraine mit 400 Exemplaren pro tausend Einwohner an der Spitze. Von den zehn Ländern mit der höchsten Marktdurchdringung liegen sechs in Osteuropa; es sind dies die Ukraine gefolgt von Estland mit 290 pro tausend Einwohner verkauften Exemplaren, Lettland mit 268, Slowenien mit 215, Bulgarien mit 195 und Russland mit 167 verkauften Exemplaren pro tausend Einwohner.
WAN als globale Organisation der Zeitungsbranche mit Sitz in Paris setzt sich für den Schutz und die Förderung der Pressefreiheit in aller Welt ein. Er vertritt 17.000 Zeitungen. Zu seinen Mitgliedern zählen 65 nationale Zeitungsverbände, Einzelmitglieder in 93 Ländern, 17 Nachrichtenagenturen und sieben regionale Pressegruppen. Inquiries: Larry Kilman, Director of Communications, WAN, 25 rue d'Astorg, 75008 Paris France. Telephone +33 1 47 42 85 00, Fax: +33 1 47 42 49 48, E-mail: lkilman@wan.asso.fr. |
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